Warum Energie Thun auf die Sonne setzt

Als Handballer stand Andreas Merz während Jahren im Rampenlicht. Als Kundenberater der Energie Thun AG liegt ihm das Sonnenlicht besonders am Herzen. Zu seinem Job gehört, Lösungen anzubieten, wie die Dachflächen von Mehrfamilienhäusern und Gewerbebetrieben optimal für die Produktion von Solarstrom genutzt werden können. Mit Thuner Solarstrom liesse sich manches Thunfest feiern...

Sie sind von Haus aus Ökonom. Warum arbeiten Sie immer noch bei einem regionalen Energie-Dienstleister wie der Energie Thun AG?
Ich bin ein wenig reingerutscht, weil der Übergang von meiner Handball-Karriere zur beruflichen Laufbahn fliessend war. Die Energie-Branche ist spannend, die durchaus ökonomische Herausforderungen bietet. Gerade in einer kleinen Firma kann es von Nutzen sein, dass der Blick manchmal auch auf den grossen Kontext und das Gesamtbild gerichtet wird. Es ist wahnsinnig spannend, in diesem technischen Umfeld eine ökonomische Perspektive einzubringen.

 

Bringen Sie eher die ökonomische Perspektive ein - oder wird ihnen eher die technische Sicht der Dinge vermittelt?

Ich würde sagen, bisher habe ich mehr von den Technikern gelernt. Ich kam ohne Branchen-Wissen in den Betrieb. Vieles befindet sich auch technologisch in einem enormen Wandel. Diesen muss man auf- und annehmen, wenn man in Zukunft bestehen will.

 

War Ökologie in Ihrem Ökonomie-Studium bereits ein Thema?
Zu einem kleinen Teil. Es ging in einer Vorlesung um die Mathematik hinter der idealen Nutzung von endlichen Ressourcen. Ein Beispiel: Einen Wald optimal zu nutzen - sprich: soviel Holz zu fällen und das Holz zu einem Preis zu verkaufen, dass ein maximaler Ertrag erzielt wird, aber stets genug Bäume wieder nachwachsen - stellt ein hochkomplexes mathematisches Problem dar. Vielleicht steht die Ökologie bei diesem Problem nicht im Fokus - aber sie ist nicht ausser Acht zu lassen.

 

Gemäss diesem Denkansatz müsste das Erzeugen und Verkaufen von Solarstrom ein perfektes Gewinn-Modell ein. In menschlichen Horizonten gedacht steht mit der Sonne kostenlos eine nie versiegende Energiequelle zur Verfügung.

Nun, das mit dem Gewinn würde ich nicht so formulieren. Aber Solar-Energie bietet tatsächlich bisher ungeahnte Möglichkeiten und stellt in der Tat einen gewissen Paradigmenwechsel dar.

 

Inwiefern?

Bisher haben wir Strom an einem zentralen Ort produziert - zum Beispiel in den Aarewerken im Schwäbis - und dann übers Netz zu den Kunden transportiert. Mehr und mehr produzieren wir aber den Strom dezentral, derzeit mit rund 45 Solaranlagen auf Dächern in der ganzen Region.

 

Wie viel Strom wird da produziert?
Rund 1,3 Gigawattstunden pro Jahr - was ungefähr der Nachfrage nach Solarstrom seitens unserer Kunden entspricht. Gemessen an den insgesamt rund 180 Gigawattstunden Strom,  die wir jährlich absetzen, mag das als wenig erscheinen. Aber es ist immerhin 21 mal soviel Strom, wie das Thunfest in einem Jahr etwa verbraucht.

 

Wahrscheinlich will aber nicht jeder Hausbesitzer sein Dach der Energie Thun AG für eine Solaranlage vermieten?

Das möchten wir auch gar nicht - im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass ein Liegenschaftsbesitzer sich heute auf jeden Fall überlegen sollte, ob er eine Solaranlage installieren will, wenn beispielsweise sowieso eine Sanierung des Gebäudes ansteht. Es gibt aber Liegenschaften, wo die Dinge etwas komplexer liegen - und da können wir helfen.

 

Zum Beispiel?

Ich denke zum einen an Mehrfamilienhäuser mit mehreren Stockwerkeigentümern. Einer ist oft tags zuhause und kann den Strom nutzen, den die Solaranlage produziert. Jemand anderes kann aber nur nachts waschen oder backen und ist deshalb auf Strom aus dem Netz angewiesen. Da haben wir die technischen Möglichkeiten, präzise und verbrauchergerechte Abrechnungen zu erstellen. Das andere Thema sind Gewerbeliegenschaften. Als Ökonom weiss ich, dass ein Gewerbetreibender möglichst tiefe Stromkosten anstrebt. Die Kombination von Netzkosten und konventionellem Strom ist immer noch günstiger als die Kombination aus Netzkosten und Ökostrom. Wenn jetzt aber die Netzkosten wegfallen, weil man tags den Strom direkt im Betrieb nutzen kann, der auf dem Dach produziert wird, dann wirds finanziell plötzlich interessant.

 

Sie könnten auch allen so eine Solarblume in den Garten stellen, wie sie auf dem Kreisel zwischen der General-Wille- und der Mittleren Strasse installiert ist.
Nun, die Solarblume liefert immerhin übers Jahr gesehen genug Strom, um ein durchschnittliches Einfamilienhaus zu versorgen. Für uns dient sie indes vor allem als Marketing-Instrument. Die Blume ist nicht zuletzt auch eine Möglichkeit, Strom - von Natur aus unsichtbar - zumindest ein wenig sichtbar zu machen im Alltag. Und wenn jemand bei der Planung einer Haussanierung dank der Blume denkt, dass er eine Solaranlage installieren könnte, dann hat sie ihren Zweck mehr als erfüllt.


Zur Person
Andreas Merz, 33, arbeitet seit 2015 bei der Energie Thun AG. Der frühere Torhüter und heutige Torhüter-Trainer von Wacker Thun ist seit 2009 in Thun und hat in Bern Ökonomie studiert. Weil er einen Arbeitsplatz in Thun suchte, führte sein Weg zum regionalen Energie-Dienstleister. Dort steht er als Kundenberater Strom mit dem Fokus Solarstrom unter anderem vor der Herausforderung, Ökonomie und Ökologie unter einen Hut zu bringen.

 

Infos: www.energiethun.ch