2022: Alles fing mit Pizzas an

Seine Bar- und Lounge-Angebote im Oberbälliz sind vom modernen Thunfest nicht mehr wegzudenken. Als Beat Hofer anfing, war er indes noch zu jung, um Alkohol auszuschenken.

Beat Hofer mischt seit 35 Jahren das Thunfest mit seinen Ideen auf (Bild: liveit/Simon Boschi)

Stift war er, als er 1987 zum ersten Mal am Thunfest etwas verkaufte. Aber keineswegs eine kopflose Niete - im Gegenteil: Beat Hofer, Koch-Lehrling im ersten Lehrjahr, war clever genug, um zu checken, dass die Besucherinnen und Besucher des Innenstadtfest - so hiess das Thunfest damals noch - nicht allein Lust auf Bratwürste aus dem Hause Touvent hatten. “Ich fragte Niklaus Schönholzer, ob ich unter den Kastainen vor dem Waisenhaus selbstgebackene Pizzas verkaufen dürfe”, erinnert er sich. Einen Pizzaofen hatte er nicht, Vater musste diesen mit dem jungen Geschäftsmann auf einem Anhänger in Signau bei der BAFAG abholen und wieder zurückbringen. Die Pizzateige kaufte Hofer beim Brötie-Beck gleich schon vorbereitet in Schalen, die Sauce kreierte der Jungkoch selbst. “Die 500 Teige reichten auf jeden Fall nicht bis zum Ende des Festes”, erinnert sich Beat Hofer.

 

Das Angebot kam bei Besuchern und beim OK auf jeden Fall so gut an, dass Hofer auch im nächsten Jahr wieder an den Start durfte. Und bereits mit einer Ausschankbewilligung und einem Vertrag mit dem Getränkegrosshändler Unifontes ausgestattet wurde - “aber natürlich nur mit der Bewilligung, um Mineralwasser zu verkaufen. Schliesslich war ich immer noch in der Stifti”, sagt Hofer.

 

“Warum Spiele anbieten, wenn wir mit einer Bar mehr Geld bei weniger Aufwand verdienen?”

 

So war das Ende der 1980er-Jahre - und weit weit weg vom Thunfest, wie es sich heute präsentiert. “Damals gab es noch überall Spiel- und Unterhaltungs-Stände”, erinnert sich der mittlerweile 51-Jährige. “Ich organisierte zum Beispiel auch zwei Mal den Stand der LV Thun, wo um Preise gekegelt wurde.” Doch er schien die Zeichen der Zeit früh zu erkennen und zu antizipieren, dass Gesellschafts-Spiele für die Spassgesellschaft der 90er-Jahre bald zu wenig Spass bieten würden. Pub- und Bar-Festivals schossen auf dem Land wie Pilze aus dem Boden - und damit begann sich auch das Gesicht des Thunfest zu wandeln. Immer mehr Vereinsverantwortliche sagten sich: “Warum Spiele anbieten, wenn wir mit einer Bar mehr Geld bei weniger Aufwand verdienen?”

Hofers Angebote am Thunfest finden beim Publikum nach wie vor grossen Gefallen (Bilder: liveit/Simon Boschi)

Sinnigerweise war es Getränkehändler Martin Bähler (†) aus Uttigen, der den Pubfest-Boom in der Region so richtig losgetreten hatte, welcher Beat Hofer den ikonischen Getränkewagen in Form einer Budwiser-Bierdose vermietete, der eine ganze Weile eines der optischen Hauptmerkmale des Thunfest im Oberbälliz sein sollte. Hofers Engagement wuchs - und plötzlich kamen andere Wirte und fragten ihn, ob er ihre Fläche übernehmen wolle. Wie das “Rialto”, von dem Hofer in den Nullerjahren den Stand übernehmen konnte, an dem er heute noch die Caipirinha-Bar betreibt, die als Corona Latin Bar bekannt und beliebt ist.

 

Nachdem er in den 10er-Jahren sein Knowhow als Eventbetreiber mit dem Corona Latin Beach auf dem Stadthofplatz eingebracht hatte, und dort vom Erfolg und dem Publikumsaufmarsch bisweilen sprichwörtlich überrollt wurde, sorgt er heute im Oberbälliz vor dem Metro und der Swisscom mit der Corona Latin Bar und der Schlumberger-Lounge sowie auf dem Plätzchen links vom Waisenhaus und vis-à-vis der Bank Cler mit der Trojka Cocktail Bar für gepflegtes und genussvolles Party-Ambiente - und gibt damit praktisch einer ganzen Zone des Thunfest ihr ganz eigenes Gesicht. 

 


Zur Person

 

Beat Hofer (51) ist Familienvater und lebt in Hilterfingen. Er ist Gründer und Inhaber der Agentur CONCENT, sowie der ICE Factory Switzerland AG, die von Uetendorf aus die ganze Schweiz mit Eiswürfeln und crushed ice versorgt. Einem breiten Publikum wurde Hofer in der Region Thun bekannt, als er in den 90er- und 00er-Jahren in der Giessereihalle im Selveareal in Thun, in der MUR-Halle und in der TUS-Halle in Uetendorf legendäre Events zu Halloween und Silvester organisierte.

 


 

Beat Hofer ist indes mehr, als einer jener Standbetreiber, die von Stadt zu Stadt ziehen, um dort ihre Ware feilzubieten. “In dem Moment, in dem die Stände von auswärts Überhand gewinnen, wird ein Fest ein Einheitsbrei”, sagt Hofer. Eine Gefahr, die er in Thun (noch) nicht ortet. “Mit Ändu Wyss und seinem Angebot rund ums Red Ox oder dem TV-Allmendingen hinter dem Rathaus, Musters mit ihren Spiessen im Bälliz oder den Angeboten am Mühleplatz bietet das Thunfest nach wie vor sehr viel charakteristisch Einmaliges”.

Die Schlumberger-Lounge ist eines der drei Partyangeboten von Beat Hofer am diesjährigen Thunfest (Bilder: liveit/Simon Boschi)

Seit jeher ist Beat Hofer dem Thunfest als Vereinsmitglied verbunden, “weil mir die Stadt und das Fest am Herzen liegen”, wie er betont. Und dann sagt auch er jenen Satz, den so viele über das Thunfest sagen: “Es gibt so viele Thunerinnen und Thuner, die ich schon fast mein ganzes Leben lang kenne, die ich einmal im Jahr sehe: am Thunfest.” Deshalb engagiere er sich immer wieder neu am Thunfest - und hilft mit, das Gesicht seiner eigenen Stände, und damit auch das des Thunfest als Ganzes immer wieder neu zu erfinden.

 

So bleibt am Ende eigentlich nur eine Frage: War Beat Hofer eigentlich auch einmal nur als Besucher am Thunfest? “Ja”, antwortet er lachend. “Das war wohl im letzten Schuljahr. Ich war zuvor in Tenero im J&S-Lager und hatte dann all meine Kumpels ans Thunfest eingeladen. Ich erinnere mich noch genau, wie wir gegen Mitternacht alle zusammen vom Rathausbrüggli in die Aare gesprungen sind - in Unterhosen.”