2022: Die Männer und Frauen mit dem Mehrweg-Geschirr

Thun war eine der ersten Städte im Kanton Bern, die ein Mehrweg-Regime einführte. Am Thunfest ist die Firma Cup&More seit dem ersten Tag mit an Bord.

Wiederverwenden statt verbrennen heisst es seit über zehn Jahren in Thun (Bild: liveit/Simon Boschi)

“Das Mehrweg-Regime der Stadt Thun ist heute noch eines der konsequentesten im ganzen Kanton”, sagt Ernst Brunner. Der Geschäftsführer von Cup&More muss es wissen. Schliesslich ist er – nicht nur am Thunfest – seit dem ersten Tag mit dabei, seit Thun im Jahr 2011 die Veranstalter*innen verpflichtet hat, ein Mehrweg-Regime für Getränkebecher, Geschirr und auch Besteck einzuführen. “Man merkt gut, dass das Thema in Thun schon lange präsent und tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist”, sagt Brunner. Und woran merkt man das? “In Thun werden überdurchschnittlich viele Becher, Geschirr und Besteck zurückgegeben.” Was nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Brunners Firma und die Standbetreiber ein Vorteil ist. 

 

Eine der Dienstleistungen, die Cup&More am Thunfest anbietet, ist der Depot-Ausgleich zwischen den Ständen. Die Firma ist dafür verantwortlich, dass kein Stand Gewinn macht, weil er mehr Becher ausgibt – und damit Depot kassiert – als er zurücknimmt. Und umgekehrt sorgt Cup&More dafür, dass kein Stand Verlust macht, wenn die Leute bei ihm weniger Getränke oder Esswaren beziehen, als sie leere Behälter zurückbringen und damit das Depot-Geld zurückkriegen. Für die Gäste am Thunfest hat dies den Vorteil, dass sie jedes Depot-Stück an jedem Stand zurückgeben können und nicht spezielle Rückgabestellen aufsuchen müssen.

 

"Mit seiner Nähe zur Aare und zum See und den zahlreichen Festivitäten in der ganzen Stadt ist das Thunfest in seiner Art einzigartig und wunderschön."

 

Der grösste Teil der Arbeit für das rund sechsköpfige Team von Cup&More am Thunfest fällt an, bevor die Gäste auf Platz sind – und wenn sie schon wieder unterwegs nach Hause sind. Dann rüsten Brunners Leute die 60 bis 70 Stände mit Boxen voll mit Bechern, Geschirr und Besteck aus. Oder sie nehmen sie nach Festschluss wieder zurück. “Mit den Jahren haben viel Standbetreiber ein Gespür entwickelt, wie viele Einheiten sie bestellen müssen”, sagt Ernst Brunner. Für seine Crew hat das zur Folge, dass sie während dem Fest auch mal die Gelegenheit hat, eine Runde durch das Festgelände zu machen, alte Bekanntschaften zu pflegen – oder neue zu knüpfen. “Thun ist sowieso ein Ort, an dem unsere Leute gerne arbeiten”, betont der Geschäftsführer. “Mit seiner Nähe zur Aare und zum See und den zahlreichen Festivitäten in der ganzen Stadt ist das Thunfest in seiner Art einzigartig und wunderschön.”

Die Firma Cup&More ist für das Mehrweg-Regime am Thunfest verantwortlich (Bilder: liveit/Simon Boschi)

Aber eben: Mit wunderschön alleine ist es nicht gemacht. So liefert Cup&More am Thunfest auch dieses Jahr wieder rund tausend Becher in verschiedenen Formen und Grössen, sowie Geschirr- und Besteck-Gebinde. Ausgeliefert und zurückgenommen werden die Einheiten in Boxen; derzeit wird alles noch in der Berntorgasse oder in der Nähe der Alten Oele von Hand ausgezählt und abgerechnet. “Neue Technologien und die Digitalisierung machen aber auch vor unserer Branche nicht Halt”, sagt Ernst Brunner. “Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch bei uns gewisse Prozesse automatisiert werden.” Er denkt da beispielsweise an Chips an den Bechern, die das händische Zählen überflüssig machen sollen.

 

Als einziger Schweizer Mehrwegdienstleister verfügt Cup&More zudem über eine mobile Reinigungsanlage. Diese eignet sich nicht nur für Mehrweggeschirr sondern säubert auch Glas und Porzellan – kommt aber am Thunfest aktuell nicht zum Einsatz. “Derzeit können wir die Mengen, die am Thunfest benötigt werden, noch bewältigen, ohne vor Ort waschen zu müssen”, sagt Ernst Brunner. Die Hauptaufgabe seiner Firma am Thunefst sei es, alle Standbetreiber*innen jederzeit mit genügend sauberem Geschirr ausrüsten zu können. “Aber in erster Linie natürlich bereits vor Festbeginn.”

 

"In Thun werden überdurchschnittlich viele Becher, Geschirr und Besteck zurückgegeben."

 

 Als grösste Herausforderung benennt Brunner – wie alle anderen auch, die am Thunfest engagiert sind – die Unberechenbarkeit des Wetters. “Wenn es regnet, ohne dass schlechtes Wetter angekündigt war, brauchen wir mehr Kaffeebecher. Wenn es heisser ist als vorhergesagt, brauchen wir mehr Bierbecher.” Ein Glück, dass Cup&More schon über ein Jahrzehnt während dem Thunfest am Start ist und deshalb schon einiges an Wetterkapriolen mitgemacht hat – sodass das Team aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen kann.