Aus dem Brügglifest wurde 1976 das Innenstadtfest, über vier Jahrzehnte geprägt von «Mister Thunfest» Niklaus Schönholzer. 1996 verschmolzen Innenstadtfest, Seenachtsfest und Open Air zum grossen «Thunfest» – mit Höhenflügen, Wetterkapriolen und Debatten inklusive. Nach einem Ausfall 2014, einem mutigen Neustart 2015 und zwei Corona-Jahren ist das Thunfest immer noch fest im Sommerkalender der Region verankert.

Die Anfänge

1974 – 1975

  1. 1974

    Das erste Brügglifest

    Am 17. August legt der Pontonierfahrverein einen provisorischen Steg über die Aare. Wer passieren will, bezahlt 50 Rappen Brückenzoll. «Das Brüggli kam arg ins Schwanken» schreibt das Thuner Tagblatt am 19. August 1974. Rund 15’000 Menschen kommen, der Erlös von 13’000 Franken wird zum Grundstein für den Brückenbau. Gilt als 1. Ausgabe.

    Provisorische Pontonbrücke über die Aare, erstes Brügglifest 1974
    Thuner Tagblatt · 19. Aug. 1974
    Fröhliches Musizieren in der Oberen Hauptgasse, 1974
    Thuner Tagblatt · 19. Aug. 1974
  2. 1975

    Eine Brücke vom Volk fürs Volk

    Das zweite Brügglifest feiert am 9. August die Einweihung des neu gebauten Rathausbrüggli (Festbändel: 3 Franken).

Das Innenstadtfest

1976 – 1995

  1. 1976

    Aus dem Brügglifest wird ein eigenes Fest

    Die Innenstadtleiste macht das Brückenfest zum eigenständigen Innenstadtfest. Niklaus Schönholzer wird Organisator. Legendär: Vico Torriani und Nella Martinetti auf einer schwimmenden Bühne im Aarebecken.

  2. 1977

    Ein fester Termin entsteht

    Erstmals findet das Fest ohne Seenachtsfest statt. Der letzte Feriensamstag wird zur Tradition erklärt, der Reinerlös fliesst in wohltätige Zwecke.

  3. 1978

    Verein Thuner Seenachtsfest

    Das Feuerwerk findet fortan im Zweijahresrhythmus statt, alternierend mit Spiez. In Seenachtsfest-Jahren wachsen beide Anlässe zum grossen Doppelfest zusammen.

  4. 1981

    Das 6. Innenstadtfest

    Das Fest ist längst Tradition und füllt die ganze Innenstadt: Festplakette 4 Franken (inklusive Kursaal-Eintritt), der halbe Reingewinn geht an den Invalidenverband Sektion Thun.

    Festbetrieb am Thuner Innenstadtfest, 1981
    Thuner Tagblatt · 23. Juli 1981

«Thunfest»

1996 – 2013

  1. 1996

    Der grosse Wurf – erstmals «Thunfest»

    Innenstadtfest, Seenachtsfest und Open Air Schadau verschmelzen zum Grossanlass. 100’000 Gäste werden erwartet – ein Gewitter halbiert den Andrang, und die Presse debattiert über «Gigantismus».

  2. 1997

    Eine Nummer kleiner – und trotzdem voll

    Nach der Debatte folgt das redimensionierte «kleine Thunfest» mit Mini-Openair beim Aarefeldschulhaus. Die Festplakette kostet 10 Franken, das Budget liegt bei 250’000 Franken.

    Dichtes Gedränge zwischen den Ständen in der Thuner Hauptgasse
    Thuner Tagblatt · 5. Aug. 1997
  3. 1998

    Thunpreis für «Mister Thunfest»

    Die Stadt Thun zeichnet Niklaus Schönholzer als ersten Träger des neu geschaffenen Thunpreises aus – für sein Engagement rund um die Thuner Festanlässe. Die Auszeichnung ist eine Drahtfigur von Erich Oetterli, die den Thunerstern hält.

    Niklaus Schönholzer und die Thunpreis-Drahtfigur von Erich Oetterli, 1998
    Thuner Tagblatt · 9. Juni 1998
  4. 2005

    Über eine Million Franken für die Region

    Bilanz der ersten drei Jahrzehnte: mehr als 1 Million Franken Reingewinn wurden für soziale und kulturelle Zwecke ausgeschüttet.

Krise & Neustart

2014 – 2019

  1. 2014

    Ausfall und Stabübergabe

    Erstmals fällt das Thunfest aus. Nach 40 Jahren übergibt Niklaus Schönholzer das Präsidium an Susanna Ernst und Matthias Harte (der nach dem Fest 2015 bereits wieder seinen Rücktritt erklärt hat. Schönholzer wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.

  2. 2015/16

    Neustart

    Mit neuem Konzept, neuen Köpfen und Unterstützung der Stadt gelingt der Neustart: Tausende Besucher*innen feiern mit.

    Belebte Altstadtgasse am Thunfest 2016
    Thunfest 2016Foto: Pascale Amez / liveit.ch

Comeback & Jubiläum

2020 – 2026

  1. 20/21

    Zwei Jahre Corona-Pause

    Im März 2020 wählt die Hauptversammlung ein neues Team: Amir Sahi wird Co-Präsident an der Seite von Susanna Ernst. Wenige Tage später steht das Land still – 2020 und 2021 verhindert die Pandemie das Fest, die 46. Ausgabe wird auf 2022 verschoben.

  2. 2022

    Das Comeback

    Nach zwei Jahren Pause kehrt das Thunfest zurück – als kompakteres, aber gut besuchtes Stadtfest.

    Ocean Orchestra auf dem Rathausplatz, Thunfest 2022
    Thunfest 2022Foto: Simon Boschi / liveit.ch
  3. 24/25

    Etabliert und gut besucht

    Das 48. und 49. Thunfest ziehen je rund 26’000 Gäste an – neu mit Vorverkauf und differenzierten Bändelpreisen. 2023 wird Jürg Dähler als zweiter Co-Präsident gewählt; 2024 gibt Amir Sahi sein Amt nach vier Jahren ab, seither führt Dähler den Verein als Präsident.

    Altstadtgasse mit thunFEST-Banner, Thunfest 2024
    Thunfest 2024Foto: Raphael Schaller / liveit.ch
    Konzert bei Nacht in der Thuner Altstadt, Thunfest 2024
    Thunfest 2024Foto: Raphael Schaller / liveit.ch
  4. 2026
    50. Ausgabe

    Ein halbes Jahrhundert Thunfest

    Vom 6. bis 9. August feiert das immer noch ehrenamtlich organisierte Thunfest sein grosses Jubiläum. Den Auftakt macht am Donnerstag der Jubiläumsabend «Zäme 250 Jahre» mit der AEK Bank 1826, die gleichzeitig 200 Jahre alt wird – auf dem Rathausplatz, wo 1974 alles begann.

Quellen & Bildnachweis
Text und historische Fotos: Thuner Tagblatt, Originalausgaben 1974–1998 (e-newspaperarchives.ch) – Aufnahmen: Ed. Stüssi, Archiv TT und zvg. Aktuelle Fotos (2016–2024): © Verein Thunfest – Pascale Amez, Simon Boschi und Raphael Schaller (liveit.ch). Weitere Quellen: Berner Zeitung, SRF, Radio BeO, neo1. Zusammengestellt zum 50-Jahr-Jubiläum 2026.